Free speech und rechter Populismus

Der europäische und weltweite politische Rechtsruck mag in deutschen Universitäten weniger heftig spürbar sein als an den Außengrenzen und in minorisierten Gemeinschaften, aber er ist in der Medienwissenschaft so oder so schon lange angekommen: Er ist Thema für Analysen der alt right-Medienpolitiken (vgl. die Beiträge auf dem Gender Blog), er greift mit den Gender Studies auch die Gender Media Studies an, und er unterminiert allgemeiner Konzepte der Freiheit von Lehre und Forschung an den Universitäten – im Namen von demokratischen Freiheitsrechten. Die ZfM beginnt die Debatte mit Beiträgen aus der Universität Siegen. 

Aus der Vielzahl der bestehenden Debattenbeiträge anderer Zeitschriften und Zeitungen verweisen wir exemplarisch auf

- den ausführlichen diskursanalytischen Beitrag im Journal movements, der die Debatte um die Ein- oder Ausladung eines Befürworters von Racial profiling an der Goethe-Universität Frankfurt/M. im Januar 2018 analysiert und die Problemverschiebung von rassistischen Aussagen zur Beschränkung von rassistischer Rede kommentiert (ein Fazit lautet etwa: UNDOING THINGS WITH WORDS: DIE NICHT-PERFORMATIVITÄT VON ANTIDISKRIMINIERUNG):
Katharina Hoppe, Darja Klingenberg, Vanessa Eileen Thompson, Felix Trautmann, Alexander Vorbrugg, Worüber wir reden, wenn wir mit jemandem nicht reden wollen. Zum Spannungsverhältnis von Rassismuskritik und Meinungsfreiheit an der Universität, in: movements. Journal for Critical Migration and Border Regime Studies, Vol. 4, Issue 1/2018, "Wissensproduktionen der Migration", 167-177, open access

- Erhard Schüttpelz' Beitrag im Merkur, 4.1.2019: Installation einer Freisprechanlage. Ein vorläufiger Bericht in elf Briefen

- die taz mit einem kurzen Verweis auf Herbert Marcuse, Margarete Stokowski und einem falschen Konzept von ‹Toleranz› und die merkwürdige Idee, im Informationskapitalismus mit seiner Aufmerksamkeitsökonomie gehe man von Sprachpositionen ‹auf Augenhöhe› aus: Janiosk Herder, Ich möchte lieber nicht!, in: taz, 20.11.2018

- die FAZ über eine Funktionalisierung von vermeintlichen Opferpositionen am Beispiel einer in der Bar des multikulturellen Münchner Hauses der Kunst nicht bedienten AfD-Abgeordneten mit einem Hinweis auf die eigentlichen Probleme, die in der Debatte um «Freiheit» verdrängt werden («Was also ist der Hausverweis gegen das beständige Aushöhlen der mit fürchterlichsten, nie zu vergessenden Opfern erlernten Selbstverständlichkeiten menschlichen Anstands? Was ist ein Haus- gegen einen Landesverweis?»): Kolja Reichert, Ein Rauswurf ist auch ein Botschaft, in: FAZ, 18.11.2018

- Ulrich Reitz, Auftritt von Thilo Sarrazin und AfD-Politiker: Uni kommt mit Vorgehen nicht durch, in: Focus, 17.12.2018

- Johann NIehues (Erhard Schüttpelz), THOMAS THIEL GÄRTNERT FÜR SIEGEN / WARTUNGSARBEITEN AN EINER FREISPRECHANLAGE / VERWIRRTE LESER FINDEN EIGENE KLARHEIT, in: Merkur, 26.2.2019

Texte in dieser Debatte: 
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Zum Seminar «Denken und denken lassen» von Prof. Dieter Schönecker

Seit nunmehr gut zwei Monaten, seit Oktober 2018, dominiert eine heftige Auseinandersetzung um das vom Philosophie-Professor Dieter Schönecker organisierte Seminar samt Vorlesungsreihe mit dem Titel «Denken und Denken lassen: Zur Philosophie und Praxis der Meinungsfreiheit» den Alltag an der Universität Siegen. Die ganze Universität ist mittlerweile polarisiert und zerfällt in begeisterte Zustimmung, heftige Abwehr und einen großen Teil von Unentschiedenen. Die Lehrveranstaltung ist ein Experiment praktischer Philosophie. So sieht es Herr Schönecker.

Onlinetext

Zur Diskussion um das Seminar «Denken und Denken lassen» an der Universität Siegen

Ein Beitrag zur Diskussionsveranstaltung «Wissenschaftsfreiheit und Redefreiheit. Ein klärendes Gespräch» am 17.01.2019 an der Universität Siegen

Onlinetext

Kurzbeitrag zur Veranstaltung «Wissenschaftsfreiheit und Redefreiheit. Ein klärendes Gespräch»

Beitrag zur Veranstaltung «Wissenschaftsfreiheit und Redefreiheit. Ein klärendes Gespräch» am 17.01.2019 an der Universität Siegen

Heft-Artikel

Geisteswissenschaftliche Positionierungen

Erschienen in 
20 (1/2019) – Was uns angeht

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