Vorschau

Jedes Heft hat ein Schwerpunktthema, das von Gastredakteur_innen konzipiert und betreut wird. Die eingereichten Aufsätze durchlaufen ein Peer-Review-Verfahren. Vorschläge für Schwerpunktthemen sind jederzeit an die Redaktion möglich. Hinweise zu Einreichungen finden Sie in unseren Submission Guidelines.

ZfM 16, erscheint im April 2017
Call for Papers

Celebrity Cultures

«Famous for being famous» – spätestens mit diesem Slogan ist die Einsicht in die vermeintlich selbstreferentielle Dimension von Berühmtheit ins Alltagswissen eingegangen, die 1962 Daniel J. Boorstin in seiner kulturkritischen Auseinandersetzung mit «pseudo-events in America» auf eine kaum weniger griffige Formel gebracht hatte: «The celebrity is a person who is known for his well-knownness».

Zwar zielt diese Zuspitzung auf die Diskreditierung bestimmter Erscheinungsweisen von Berühmtheit als unverdient und damit unecht ab. Zumindest implizit trägt sie aber auch der Tatsache Rechnung, dass Medien an der Hervorbringung des Celebrity-Status konstitutiv beteiligt sind. Gilt dies selbstredend auch für historische Berühmtheiten, so sind diese medialen Faktoren im Zuge der modernen Ausdifferenzierung von Möglichkeiten des Image-Buildings sowie aufgrund der veränderten Aufmerksamkeitsökonomien der gegenwärtigen Digitalkultur unübersehbar geworden (und werden längst in den entsprechenden Medien selbst ausgiebig thematisiert und reflektiert).

Ohne Celebrity Cultures auf einen bloßen Medieneffekt reduzieren zu wollen, fragt das Schwerpunktheft nach den konkreten medialen Bedingungen von Öffentlichkeitswirksamkeit – sowie nicht zuletzt nach den Auswirkungen auf den Begriff der Öffentlichkeit selbst, für dessen aktuelle Pluralisierung und Fragmentarisierung das Konzept der ‹Micro-Celebrity› als symptomatisch gelten kann. Dabei rücken gerade die sozialen Medien neben Aspekten etwa der räumlichen und zeitlichen Reichweite (‹Going Viral› als Globalisierungsphänomen; Hype-Zyklen etc.) die veränderten Beziehungen zwischen Celebrities und ihren Fans bzw. Followern in den Blick. Vor dem Hintergrund, dass die hier wirksamen Partizipationsversprechen mit der intrinsischen Notwendigkeit einer Unverfügbarkeit der Celebrity – die diesbezüglich den unnahbaren und nur über Bilder und Reliquien anzueignenden Star beerbt – kollidieren, stellen sich hier Fragen nach den medialen Besonderheiten der Verbindung zwischen Produzent_innen und Konsument_innen bzw. Prosumern, den Formen und Potentialen medialer Handlungsmacht auf beiden Seiten sowie nach jenen Aufwendungen affektiver Arbeit aller Beteiligten, die etwa im Vorwurf der ‹unverdienten› Prominenz ausgeblendet werden.

Für die Auseinandersetzung mit dem intrikaten Verhältnis von Medien und Celebrity Cultures im Schwerpunktheft werden deshalb folgende Perspektiven vorgeschlagen:

Mediengeschichte der Celebrity: Die Anfänge der medialen Eigendynamik, die der Begriff der Celebrity gegenwärtig konnotiert, werden in den Celebrity Studies häufig  in den literarischen Avantgarden des ausgehenden 18. sowie des 19. Jahrhunderts und ihren ‹Kult-Autor_innen› verortet; vor dem Hintergrund der fortschreitenden Modernisierung und Urbanisierung westlicher Gesellschaften haben sich die Erscheinungsweisen von Berühmtheit in enger Korrespondenz mit den medialen Bedingungen und den Öffentlichkeiten, die diese generieren, entwickelt. Bedenkt man den normbildenden Einfluss des Hollywood-Starsystems auf die Medien- und Kulturgeschichte der Celebrity, so ist es kaum verwunderlich, dass es der Bereich des Visuellen ist, in dem diese Gestalt annimmt: Mit den Medien Film und Fotografie erweist sich Berühmtheit demnach als Effekt einer spezifischen Verkörperung im Feld des Sichtbaren. Diese Privilegierung der visuellen Artikulation von Celebrity hat dazu beigetragen, dass ihre Erforschung eng mit Gender-Fragen verknüpft ist (etwa in Bezug auf die Figur der Film-Diva). Die aktuellen Schauplätze der Celebrity Culture im Kontext von Online-Plattformen wie Facebook, Twitter, Instagram etc. scheinen diesen Primat des Visuellen zum einen zu bestätigen – kaum zufällig ist das Selfie zur regelrechten Ikone für Web-basierte Selbstdarstellung avanciert. Gleichzeitig wirft gerade eine Kultur der Medienkonvergenz Fragen nach den transmedialen Verfahren auf, die in der Konstruktion von Celebrity am Werk sind, nach der Rolle von Musik und Klang sowie nach der Funktion von Paratexten, die wiederum an Phänomenen wie Gossip und Fame Damage immer schon beteiligt waren.

Öffentlichkeit/en der Celebrity: Stars und Celebrities kennzeichnet, dass ihr öffentliches Wahrgenommenwerden mit einem Interesse an der ‹Privatperson› einhergeht – mit dem Effekt, dass diese, anstelle einer gesellschaftlich anerkannten künstlerischen, politischen, sportlichen oder auch akademischen Leistung, sogar zum eigentlichen Inhalt ihrer Berühmtheit werden kann (wie es Figuren wie Paris Hilton oder Kim Kardeshian gerne vorgeworfen wird). Gleichzeitig wird innerhalb der gegenwärtigen Digitalkultur die Kategorie der Celebrity zur strukturellen Größe, der insoweit eine bedeutungsstiftende Funktion zugetraut wird, wie sie als symbolischer Umschlagplatz funktioniert, über den der digitale Informationsfluss reguliert werden kann. In diesem Sinne wäre Celebrity Culture als eine Art von medialer Grammatik zu untersuchen, die gerade insofern an Relevanz gewinnt, wie innerhalb einer medialisierten Welt der immer schon heikle Bezug zum Realen neu konfiguriert wird.

Die öffentlichkeits- und gemeinschaftsbildende Funktion der Celebrity, die sich im Spannungsfeld zwischen ubiquitärer Verbreitung und lokaler Aneignung entfaltet, ist für nationale und globale Phänomene von Berühmtheit – wie zum Beispiel von Politiker_innen oder Popstars – ebenso zu veranschlagen wie für die neuerdings sogenannte Micro-Celebrity. Dabei handelt es sich um ein Phänomen, das mit den sozialen Medien einen Namen bekommen, aber strukturelle Vorgänger in älteren Fan-Kulturen hat; nicht zufällig kursierte eine Mutation des Warhol-Diktums «In the future, everyone will be world-famous for 15 minutes» bereits 1991 als Plädoyer für Mainstream-Resistenz («In the future, everyone will be famous for 15 people», so der Musiker und Schriftsteller Momus), bevor sich die Internet-Variante «famous for 15 followers» etablierte. Celebrity Culture testet auf diese Weise auch immer wieder die Möglichkeit der Counter-Celebrity. Auf besonders anschauliche Weise rückt hier die Tatsache in den Blick, dass Celebrities Öffentlichkeiten nicht lediglich nutzen, sondern als solche erst herstellen. Zu untersuchen wäre, mittels welcher medialer Verfahren die Konstruktion der Counter- oder Micro-Celebrity (etwa als Youtube-Star) das Verhältnis von Celebrity und Fan, wie es die vordigitale Starkultur geprägt hat, verschiebt: Im Kontext von Convergence Media tritt der Fan nicht nur als Follower in Erscheinung, sondern kann als Produzent von Content nun seinerseits zur (Micro-)Celebrity werden.

Die Arbeit der Celebrity: Ob Micro-Celebrity oder Mega-Star, ob jemand «famous for being famous» ist oder der Ruhm sich gesellschaftlich anerkannten Erfolgsleistungen verdankt: Sichtbar-Sein macht Arbeit. Gerade weil die Tendenz zur Demokratisierung von Berühmtheit, die gegenwärtige Partizipationskulturen in Aussicht stellen, häufig mit ihrer ökonomischen Vereinnahmung einhergeht (etwa im gezielten Aufbau von YouTube-Stars), wird Celebrity im Kapitalismus zu einer Formel, über die Arbeit am Selbst und seiner öffentlichen Darstellung an Wert gewinnt. Kann die systematische Selbstinszenierung als eine Form des Self-Brandings gelten, so wäre diese Form der PR in eigener Sache innerhalb von postfordistischen Gesellschaften gerade mit Blick auf die Micro-Celebrity auch als Kehrseite wirtschaftlicher Prekarisierung zu beschreiben. Die Formen der immateriellen Arbeit, die in Celebrity Cultures von allen Beteiligten geleistet werden, sind dabei nicht hinsichtlich der Prozesse von Identifikation und Begehren, sondern im Kontext neuer Medien und ihrer Aufmerksamkeitsökonomien jenseits eines psychoanalytischen Paradigmas vor allem auch als affektiv zu verstehen. Hier wäre nicht zuletzt die in der Starforschung immer wieder aufgeworfene Frage nach den Analogien zu religiösen Praktiken der Anbetung und Bewunderung auf die Verfahren der Kontaktherstellung und Aneignung zu beziehen, mittels derer elektronische und digitale Medien das Verhältnis von Nähe und Distanz zur Celebrity regulieren. Denn immerhin liegt die Faszinationskraft der Celebrity bis heute gerade auch darin, dass sie sowohl individuelle als auch soziale Begrenzungen überwinden kann und dabei unerwartete Reaktionen emotionaler Tiefe, Loyalität und Transformation herbeiführt. Celebrity Cultures verweisen insofern auch stets auf eine semiotische und affektive Exzessivität, die in der Analyse ökonomischer und technologischer Steuerungsprozesse in der Herstellung von Berühmtheit nicht aufgeht.

Erbeten sind Einreichungen, die die medialen Verfahren der Celebrity-Konstruktion ins Zentrum systematischer Analysen rücken und – gegebenenfalls anhand von Fallstudien – das methodologische Potential medienwissenschaftlicher Ansätze in einem tendenziell soziologisch und kommunikationswissenschaftlich dominierten Feld zur Geltung bringen und reflektieren. Besonders wünschenswert sind überdies Beiträge, die sich der Verallgemeinerung des gegenwärtigen Sichtbarkeitsimperativs über den Starkult hinaus auf ‹uns alle› widmen, der dazu führt, dass auch Akademiker_innen dem Druck ausgesetzt sind, diverse mediale Praktiken zu mobilisieren, um an ihrer Reputation als (mindestens Micro-)Celebrity zu arbeiten.

Einreichung kompletter Beiträge im Umfang von ca. 25.000 Zeichen bis Ende September 2016 erbeten.

Redaktion des Schwerpunkts: Peter Rehberg & Brigitte Weingart

Texteinreichungen bis Ende September 2016
ZfM 17, erscheint im Oktober 2017
Call for Papers

Psychische Apparate

Eine Genealogie der Medienwissenschaft lässt sich ohne die Psychoanalyse nicht denken – von Benjamin bis Mulvey und Kittler ist sie konstitutiv für Film- und Medientheorie. Neben Freud'schen Konzepten wie dem des Unheimlichen und des Unbewussten sind das Lacan'sche Spiegelstadium und seine Register des Realen, Imaginären und Symbolischen weder aus der Filmtheorie seit Mitte der 1970er Jahre wegzudenken, noch aus dem, was in den 1980er und 1990er Jahren Medientheorie geworden ist. Das Unheimliche der Maschine, mediale Wiedergänger, der kinematografische als psychischer Apparat, das Geschlecht des (filmischen) Blicks, (Kultur-)Techniken als Subjektivierung, das optische, ästhetische und neuerdings technologische Unbewusste, das Nicht-Wissen der Medien – all diese Konzepte sind für die Medienwissenschaft konstitutiv. Darüber hinaus hat die Psychoanalyse selbst Modelle der Medialität des Psychischen entwickelt – z. B. bei Winnicott (intermediärer Bereich, Übergangsobjekte), Laplanche / Pontalis (Urfantasie, Szene, Verführung) oder Abraham / Torok (Kryptonymie, Phantom) –, deren mögliche Konsequenzen für die Medienwissenschaft noch lange nicht ausgelotet sind. Dennoch ist der explizite Bezug auf die Psychoanalyse in der Medienwissenschaft in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Gerade die Problematisierung eines subjektiven, der äußeren, objektiven, Welt gegenüberstehenden Innen schien die psychoanalytischen Modelle zunehmend in den Hintergrund treten zu lassen.

So hat Bruno Latour kürzlich die Psychologie als Komplement der Epistemologie beschrieben und beide zusammen dafür kritisiert, die Grenzen zwischen Innen und Außen, Geist und Welt, einer Welt der Geister und Heimsuchungen einerseits und einer Welt der objektiven Gegebenheiten andererseits, zu kontrollieren: „Während jene die Außenwelt übertrieb, betont diese die Innenwelt übermäßig.“ (Latour: Existenzweisen, Berlin 2014, 269) Latour schlägt stattdessen vor, von psychogenen Netzwerken zu sprechen, die das Psychische als Innenwelten erst erzeugen: psychosoziale Infrastrukturen, Psychopharmaka, Zeitschriftenberatungsseiten und Romane, Fernsehserien und Horrorfilme, Therapien und Selbsthilfegruppen.

Diese Fragen nach Materialität und Technologie des Psychischen interessieren die Medienwissenschaft seit langem; sie sind aber seit Freuds «Entwurf einer Psychologie» immer auch Bestandteil psychoanalytischen Denkens gewesen. Psychoanalyse ist insofern auch Widerstand gegen und Herausforderung von eindeutigen Kategorisierungen und Grenzziehungen, gerade der zwischen einem vermeintlich subjektiven Innen und einer objektiven äußeren Welt. Der Verweis auf die Begrenztheiten der Psychoanalyse wäre daher eher als Versuch zu verstehen, das, was die Psychoanalyse ins Spiel bringt, zu kontrollieren.

In Anlehnung an Derrida ließe sich vielleicht von einem Vergessen der Psychoanalyse in der Medienwissenschaft sprechen, bei dem mehr auf dem Spiel steht als ein spezifischer Gegenstandsbereich. Wissenschaftshistorische Forschungen haben die Psychoanalyse als historische Wissensformationen beschrieben; die Frage nach ihrem theoretischen Einsatz und dessen Fortwirken ist damit allerdings noch nicht erfasst. Die Psychoanalyse und ihre temporalen Modelle der Unabgeschlossenheit des Vergangenen, der Transgenerationalität von Erfahrungen und vor allem der Anderszeitlichkeit des Unbewussten müssen auch als Herausforderungen der Wissenschaftsgeschichts-schreibung selbst, ihrer Chrono- und Genealogien verstanden werden.

Mit der Psychoanalyse geht es darum, andere Dynamiken zu denken und anzuerkennen, nicht völlig vorhersehbare Räume und nichtlineare Zeiten, in der Alterität nicht ausgeschlossen oder aufgehoben, sondern gehalten, ermöglicht wird. Freuds Satz «Psyche ist ausgedehnt, weiß nichts davon» bedeutet auch, die raumzeitliche Agentialität des Psychischen jenseits von Innen und Außen zu verstehen und die Dämonen, Hexen, Monster und Gespenster, die als Projektionen, Phantasmen, Hirngespinste einer ausschließlich inneren Realität zugerechnet wurden, in eine Welt jenseits dieser Dichotomien zu entlassen. Das Psychische ist keine Innenwelt, es ist vielmehr Teil des relationalen Werdens von Welt, der medialen Verschränktheit von Innen und Außen, von Eros und Thanatos, Symbolischem und Imaginärem, Ab- und Anwesenheit, Individuellem und Sozialem. Denn wo Theorien des Psychischen nicht lediglich als narratologische oder als Figuren-Analyse betrieben werden, tritt anderes hervor: Eine grundlegend relationale Perspektive, die nicht nur Verhältnisse zwischen Menschen, sondern auch ihre Beziehung zu Apparaten, ja das Psychische selbst als Apparat oder Maschine beschreibbar macht, ohne Alterität, Fremdheit und Unintegrierbarkeit zu leugnen.

Insofern muss die Frage nach der Psychoanalyse anders gestellt werden: Wo wird ihr Vergessen, ihre raumzeitliche Alterität ins Spiel gebracht, möglicherweise ohne sie zu erinnern? Haben sich psychoanalytische Konzepte transformiert, ihre Begriffe verschoben? Wo kehren sie wieder? Interessanterweise verflüchtigen sich die Bezugnahmen auf sie gerade dort, wo sie ein Denkrahmen gewesen ist oder sein könnte: Die Nähe des affective turns zu neurowissenschaftlichen Ansätzen ist schon problematisiert worden (und für das affective computing wird weiter zu fragen sein, was es dabei mit Fantasien, Ich-Idealen und im Rekurs auf Deleuze / Guattari mit Wunschmaschinen auf sich hat). Während die feministische (Film-)Theorie psychoanalytische Texte gelesen, gegengelesen, gedeutet und umgedeutet, angeeignet und mit ihnen anders geschrieben hat (Irigaray, Kristeva, Cixous), stellt auch für Judith Butler die Psychoanalyse eine zentrale Referenz und Denkbewegung dar – Identifizierung, Subjektivierung, Trauer / Melancholie. Die Queer Studies betreiben ein Umarbeiten des Triebkonzepts und verstehen Gefühle als politische, die sich eben nicht bloß individuell auflösen lassen, sondern gesättigt sind von Normen, die jedes einzelne Subjekt betreffen. So lässt sich nach der Produktivität von bad feelings fragen. Das Psychische ist zudem virulent in Diskursen um Depression und Burn-out, in Objektbegriffen, in nicht-westlichen Konzepten des Unbewussten und der Geister, in Theorien der (Psycho-)Pharmakologie, die sich sowohl medienwissenschaftlich als auch psychoanalytisch befragen lassen.

Offene, experimentelle Texte sind sehr willkommen.

Mögliche Themen:

– Das psychoanalytische Konzept der Wiederholung in der Film- und Fernsehwissenschaft; die Couch der Armen (Guattari)

– Nicht-westliche Psychoanalyse und die Frage nach den Geistern; Ethnopsychoanalyse, Migration und das Unbewusste

– Queer / Affect Studies: Neufassung, Umarbeitung des Triebkonzepts; politische Theorien von Gefühlen

– Zusammenhang von Genderforschung und Psychologie seit den 1960er Jahren; medizinische/psychologische Gutachten

– die Erfindung von Therapieformen und Erziehungskonzepte im Zusammenhang kybernetischer Steuerungskonzepte (Bateson, Malabou)

– Depression, Melancholie, Burn-outs: Leiden der spätmodernen, neoliberalen Seele (Ehrenberg, Kristeva)? Schicksale der Identifizierung und Trauer zwischen Sozialität und Individualität (Butler); Produktivität, Praktiken und Objekte von bad feelings (Cvetkovich) und cruel optimism (Berlant)

– (Psycho-)Pharmakologie: Praktiken der Subjektivierung und Körpertechnologie; besser Funktionieren, anders Werden, Transformation? (Preciado, Stiegler)

– Objektbegriffe: „Übergangsobjekt“, „Objektbeziehung“ (Klein, Winnicott) und die (neuen) Materialitätsdebatten

– Schreibweisen / Schrift im Zeichen des Unbewussten, Sprechen und Schreiben von Objektivitätsparadigmen lösen: écriture feminine, queeres Schreiben

– Psychoanalyse der Institution (mit und gegen Legendre): Muttersprachen, Doktorväter, die paternalistische Logik der Besten, des Sich-Bewährens

 

Redaktion des Schwerpunkts: Kathrin Peters & Stephan Trinkaus

Stylesheet und weitere Hinweise hier
 

Texteinreichungen bis Ende Februar 2017
ZfM 17, to be published Oct. 2017
Call for Papers

PSYCHIC APPARATUSES

A genealogy of media studies is inconceivable without psychoanalysis – from Benjamin to Mulvey and Kittler, it is constitutive for film and media theory. Alongside such Freudian concepts as the uncanny and the unconscious, the Lacanian mirror stage and its register of the real, imaginary, and symbolic have been indispensible for film theory since the mid-1970s, as well as for media theory in the 1980s and 90s. The uncanny of the machine, medial specters, the cinematographic as psychic apparatus, the gender of the (filmic) gaze, (cultural) techniques as subjectivation, the optical, aesthetic and, more recently, the technological unconscious, non-knowledge of media – all of these concepts are constitutive for media studies. Moreover, psychoanalysis itself has developed models for the mediality of the psychic – for example, by Winnicott (intermediary area, transitional objects), Laplanche / Pontalis (primary fantasy, scene, seduction) or Abraham / Torok (cryptonymy, phantom) – whose possible consequences for media studies have not yet been fully explored. And yet the explicit reference to psychoanalysis has declined significantly in media studies in recent years. Precisely the problematization of a subjective interior in opposition to an external, objective world seemed to push the psychoanalytic model into the background.

In this vein, Bruno Latour has recently described psychology as the complement of epistemology and criticized both for seeking to control the border between interior and exterior, mind and world, a world of spirits and hauntings on the one hand, and a world of objective facts on the other: “While the one exaggerated the exterior world, the other unduly emphasized the interior world.” (Latour, Existenzweisen, Berlin 2014, 269). Latour suggests instead that we refer to psychogenic networks which produce the psychic as interior worlds in the first place: psychosocial infrastructures, psycho-pharmaceuticals, the advice pages of magazines as well as novels, televisions series, and horror films, therapies and self-help groups.

Such questions regarding the materiality and technology of the psychic have been of interest to media studies for quite some time; moreover, they have been a part of psychoanalytic thought ever since Freud’s “Project for a Scientific Psychology” (Entwurf einer Psychologie). Psychoanalysis is thus also a resistance and challenge to univocal categorizations and delimitations, especially to the one between a presumed subjective interior and an objective exterior world. The reference to the limitations of psychoanalysis should hence be understood rather as an attempt to control what psychoanalysis brings into play.

Following Derrida, we may refer to a forgetting of psychoanalysis in media studies, in which more than simply a specific object of study is at stake. Studies in the history of science have described psychoanalysis as an historical knowledge formation; yet this does not entirely answer the question of its theoretical intervention and continued significance. Psychoanalysis and its temporal models of the interminability of the past, of the transgenerationality of experiences, and, above all, of the temporal otherness of the unconscious also have to be understood as challenges to the historiography of science itself, its chronologies and genealogies.

Psychoanalysis is a matter of thinking and recognizing other dynamics, not fully foreseen spaces and non-linear times, in which alterity is neither excluded nor annulled, but retained and enabled. Freud’s postulate “Psyche is extended; it knows nothing of it. [Psyche ist ausgedehnt, weiß nichts davon]” also means that we should understand the spatiotemporal agentiality of the psychic beyond the distinction between interior and exterior, and that we should release the demons, witches, monsters, and specters, which have been attributed to the projections, phantasms, and chimeras of an exclusively interior reality, into a world beyond these dichotomies. The psychic is not an interior world, but a part of the relational becoming of world, of the medial entanglement of inside and outside, of Eros and Thanatos, the symbolic and the imaginary, absence and presence, the individual and the social. For wherever theories of the psychic are not merely practiced as narratological or figural analyses, something else emerges: a fundamentally relational perspective that not only enables a description of relationships between human beings, but also of their relation to apparatuses, indeed to the psychic itself as an apparatus or machine, a type of description, furthermore, that does not deny alterity, strangeness, and non-integratability.

To this extent, the question of psychoanalysis has to be posed in a different way: Where is it forgotten, its spatiotemporal alterity brought into play, possibly even without remembering it? Have psychoanalytic concepts transformed, have the terms shifted? Where do they return? Interestingly, references to them vanish at precisely the point where they have been or could provide a framework of thought: the proximity of the affective turn to approaches in neuroscience has already been problematized (and it is worth asking what happens in affective computing with fantasies, ego-ideals, and, in recourse to Deleuze/Guattari, with desiring machines). While feminist (film) theory has read, revised, (re-)interpreted and appropriated psychoanalytic texts as well as written differently (Irigaray, Kristeva, Cixous), psychoanalysis also represents a central point of reference and movement of thought for Judith Butler ­– identification, subjectivation, mourning / melancholy. Queer Studies seeks to rework the concept of the drive and regards emotions as political, that is, as not merely individual but permeated by norms that affect every single subject. Thus can we inquire into the productivity of bad feelings. The psychic, moreover, is virulent in discussions about depression and burn-out, in concepts of the object, in non-Western concepts of the unconscious and spirits, in theories of (psycho-)pharmacology that can be questioned by both media studies and psychoanalysis.

Open, experimental texts are highly encouraged.

Possible topics:

– the psychoanalytic concept of repetition in film and television studies; The Poor Man’s Couch (Guattari)

– non-Western psychoanalysis and the question of spirits; ethnopsychoanalysis, migration and the unconscious

– queer/affect studies: new versions, reformulations of the concept of the drive; political theories of emotions

– the connection between gender studies and psychology since the 1960s; medical/psychological evaluations

– the invention of forms of therapy and concepts of childrearing in conjunction with cybernetic concepts of control (Bateson, Malabou)

– depression, melancholy, burn-outs: maladies of late-modern, neoliberal psyches (Ehrenberg, Kristeva); fates of identification and mourning between sociality and individuality (Butler); productivity, practices and objects of bad feelings (Cvetkovich) and cruel optimism (Berlant)

– (psycho-)pharmacology: practices of subjectivation and technologies of the body; better functioning, becoming other, transformation? (Preciado, Stiegler)

– concepts of the object: “transitional objects,” “object-relations” (Klein, Winnicott) and the (new) materiality debates

– notations / writing under the sign of the unconscious, detaching speech and writing from paradigms of objectivity: queer writing

– psychoanalysis of the institution (with and against Legendre): mother tongues, doctoral fathers, the paternalistic logic of the best, of standing the test

 

Please submit complete essays with a length of approximately 25,000 characters by February 28, 2017.

Editors of the special issue: Kathrin Peters and Stephan Trinkaus

Style sheet and additional information:
http://www.zfmedienwissenschaft.de/service/submission-guidelines

 

Submissions by Febr. 28, 2017