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Burak Arikan, «Islam, Republic, Neoliberalism» (Detail), 2012

Die außergewöhnlich brutalen Szenen, die sich am 15. und 16. Juli 2016 in Ankara und Istanbul abgespielt haben, machten schnell die Runde. Von Augenzeugenberichten bis hin zu einzelnen, ihrem Zusammenhang entrissen Bildern konnten Mediennutzer_innen, Zuschauer_innen und Leser_innen sehr bald Bilder der Geschehnisse in all ihren blutigen Details wahrnehmen; manche davon waren Fakes  manche nicht.

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Screenshot von «Agarrando pueblo» («The Vampires of Poverty», Regie: Carlos Mayolo und Luis Ospina, COL 1978)

Zu «El Pueblo – Auf der Suche nach dem neuen Lateinamerika» bei den 62. Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen

Die Mapa Fílmico de un Pais ist eine Website, auf der Juan Francisco González, Josefina Buschmann, Ignacio Rojas u. a. dokumentarische Filme veröffentlichen. Als redaktionelle Kriterien gelten: Die Beiträge müssen kurz sein, von in Chile lebenden Autoren stammen, aus einer festen Einstellung bestehen und Direktton haben. So filmte Rojas für seinen einminütigen Beitrag Lavado de Banderas (CHI 2014) einen Mann, der am sogenannten Tag der ausländischen Migranten auf der Plaza de Armas in Santiago eine Fahne wäscht und ausrollt – nicht etwa eine chilenische, sondern eine peruanische.

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«Der Geigenbau» (detail), plate XXII from Denis Diderot's «Enzyklopädie», 1762–1777

An Email-Interview on Correspondence, Resonance and Obsession, and on the Benefit of Combining Scholarship and Craftsmanship

For some time, ecological questions have become important in anthropology, as Tim Ingold’s writings show. His ideas on the potential of organic and anorganic materials, their compositions and decompositions, also arouses the interest of media studies – maybe because it questions the exclusiveness of human agency. Making, in Ingold’s conception, is a process in which different materials unfold their potentials. For a mediaecological perspective, materials grasped in this way offer the chance to understand technical media not as passive, invariable tools used for a purpose, but as instable and active assemblages of matter with their own potentials of activity. In our interview, Ingold elaborates upon his position in an ecological anthropology that values the becoming of things and is interested in the circulation of materials and their amalgamation. Furthermore, he argues for a reconciliation of scholarship and craftsmanship – in other words, for a praxeology of thinking and making.

An Interview with Tim Ingold
By Petra Löffler and Florian Sprenger

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Top Girl (Regie: Tatjana Turanskyj, D 2014), Filmplakat [Ausschnitt]

Sexuell arbeiten, der Markt und die Geschlechterverhältnisse

In postfeministischen Zeiten wird Frauen abgeraten, sich mit Sexarbeit, Prostitution und sexueller Gewalt zu beschäftigen, um einerseits nicht mit dem Huren- oder Opferstigma versehen und um andererseits nicht als Feministin stigmatisiert zu werden – so polemisiert Angela McRobbie in ihrem Buch Top Girls. Feminismus und der Aufstieg des neoliberalen Geschlechterregimes. Sie nimmt hier eine Revision ihrer bisherigen Position vor und zeigt, dass empowerment und Freiheit bzw. Wahlfreiheit nicht zu einer größeren Verbreitung von feministischen Positionen, geschweige denn zu ihrer Durchsetzung geführt haben: «Was tatsächlich passierte, war, dass feministische Inhalte durch einen aggressiven Individualismus, einen hedonistischen weiblichen Phallizismus auf dem Gebiet der Sexualität und durch eine obsessive Beschäftigung mit der Konsumkultur ersetzt wurden […].»

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Henri Colboc, Georges Philippe: Rungis market, 1964–69, model

An Email-Interview about Media, Architecture, and the Aesthetics of Organization

Founded in 2000, the quarterly journal Grey Room has been one of the leading forums for scholarship at the intersection of architecture, art, media and politics. Architecture’s relation to (other) media has also been one of the main research topics of Grey Room’s founding co-editor Reinhold Martin. In his widely acclaimed book The Organizational Complex (2003), Martin analyzes post-war corporate architecture as a technology of organization, reflecting on its entanglement with the discourses of cybernetics and systems theory as well as new communication technologies.

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The Practice Roots of Interactive and Collaborative Computing

The digital stored-program computer was developed as a technology for automating the large-scale calculation work that since the time of the French Revolution had been performed cooperatively, in an advanced form of division of labor («human computers»). This led to the construction of digital electronic computing, which was little more than large-scale calculators. The development work involved various scientists, for whom the new devices were scientific equipment of essential importance for their own work (cryptology, weapons design), as well as various engineers in a supporting role. Technologically, this turned out to be a dead-end road, of which little survived, apart from batch-computing such as payroll calculation, tax calculation, compiling, and of course certain scientific calculations.

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Übersicht der von der Occupy-Bewegung 2011 in London genutzten Handzeichen.

Am 28. Februar versammelten sich mehr als 150 WissenschaftlerInnen der Universität Amsterdam im Atrium des Maagdenhuis – einem herrschaftlichen Gebäude an einem der zentralen, historisch und touristisch belebten Plätze der Stadt (Spui), das wenige Tage zuvor noch Sitz der Universitätsleitung gewesen war. Bei diesem und weiteren Treffen, die seither beinah wöchentlich stattfanden, diskutierten wir die zunehmende Zerstörung der akademischen Kultur durch Ökonomisierung und Bürokratisierung; wir formulierten Forderungen gegenüber der Universitätsleitung und der Regierung in Den Haag und wir entwarfen politische Strategien: ProfessorInnen und Promovierende, Studierende und Sympathisierende standen und saßen in einem Halbkreis und benutzten die durch die Occupy-Bewegung bekannt gewordenen Handzeichen, um – unter Leitung eines facilitator – eine möglichst hierarchiefreie, auf Konsens gerichtete Diskussion zu führen.

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Jonathan Rashad, from the Flickr album Egypt Clashes, May 2012

«Egyptian artists, photographers, activists and curators were involved in planning the exhibition, which features shots by foreign and Egyptian news agency photographers – the classical protagonists of journalistic coverage – but also a Twitter wall, video portraits of eyewitnesses, video recordings and photos made by activists and ‘civilian journalists’ published on media portals such as Flickr, and documents collected by artists, having been created as means of expressing opinions, influencing the course of events, preserving memories, commemorating victims and bearing testimony. On the one hand, the exhibition sheds light on the omnipresence of digital observation, the livestream of the revolution, and the new forms of dissemination and alternative news reporting by way of communication platforms and social media such as Facebook and Twitter. Yet the show is also concerned with the circulation of these images, their presence in the urban realm, the role they play on banners, magazine covers, graffiti, etc.», as an advertising text for the exhibition states.

Ulrike Bergermann and Kathrin Peters in conversation with Florian Ebner about the exhibition.

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‹We don't need any tear gas, we're already crying›, Foto auf Twitter (@MariekeNOS), 2014

Keine Revolution ohne Medien – im doppelten Sinne: Medien beobachten Revolution und organisieren sie. Manche Revolutionen wurden deswegen schon nach Medien benannt wie im Fall von Twitter und Facebook. Dass dies berechtigt war, ist umstritten. Zu schwer wiegt der Verdacht des «digital orientalism», wie der Medientheoretiker Evgeny Morozov 2011 in seinem Buch The Net-Delusion die narzisstische Begierde des Westens nannte, die eigenen Technologien zur sine qua non auch östlicher Emanzipationsbewegungen zu erklären. Im Falle Hongkongs ist schon umstritten, ob man überhaupt von einer Revolution sprechen kann, wenn das Ziel die Einhaltung des Hongkonger Grundgesetzes (Basic Law) ist: die Vereinbarung der Briten (als scheidende Kolonialherren) und Chinesen (als künftige Herrscher Hongkongs) über ein allgemeines Wahlrecht für Hongkong. Was den Spitznamen der «Bewegung», so die zurückhaltendere Selbstbeschreibung, betrifft, hat diesmal ein Gegenstand gewonnen, der nicht nur lokalspezifischer und realer ist als digitale Medien, sondern auch fotogener: der Regenschirm.

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Mit der im Berliner Kino Arsenal veranstalteten Film- und Gesprächsreihe Performing Documentary stellt Birgit Kohler aktuelle dokumentarische Vorgehensweisen zur Diskussion, die mit expliziter Inszenierung, Verfremdungseffekten und performativen Auftritten arbeiten. Die Verknüpfung des auf John Grierson (1926) zurückgehenden Begriffes documentary mit dem performing hebt das zentrale Moment des Hergestellt-Werdens in Prozessen filmischer Aufführungen hervor. Film steht als Instrument der Analyse zur Disposition, indem Strategien der Verschiebung, Distanzierung und Abstraktion zum Einsatz kommen. Empathischer Identifikation mit Einzelschicksalen wird dabei genauso wenig vertraut wie einer vermeintlichen dokumentarischen Evidenz. Performing-Documentary-Filme tragen so nicht nur einer komplexen gesellschaftlichen Realität Rechnung, sondern sind Ausdruck einer Skepsis gegenüber gängigen Mustern dokumentarischer Repräsentation.

Birgit Kohler im Gespräch mit Jana Seehusen

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Harmony Korines Spring Breakers mit Tiqqun

Mit unverhohlener Faszination nimmt Harmony Korines Film Spring Breakers (USA 2012) die schaurig-schönen und verführerischen Bilder unter die Lupe, die der US-Mainstream seit Jahren generiert, und lotet Ordnungen des Begehrens und Mechanismen der Verführung aus. Der Beitrag schlägt vor, den Film einerseits als Remake zu begreifen, und ihn andererseits mit Hilfe des begrifflich-theoretischen Instrumentarium des französischen Theoretikerkollektivs Tiqqun zu lesen.

Im Jahr 1981 wird Britney Spears geboren und der Musiksender MTV geht erstmals auf Sendung. Fünf Jahre später, 1986, beginnt MTV mit seiner Spring Break-Berichterstattung: Wenn Hunderttausende amerikanischer College-StudentInnen an die Strände von Florida pilgern, um zu trinken und zu feiern, dann ist MTV von jetzt an dabei. Bis zu acht Stunden wird täglich live aus Daytona Beach gesendet – blauer Himmel, weißer Sand und ein Haufen spärlich bekleideter hardbodies, um es mit Bret Easton Ellis zu sagen.

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«Wolken, im Rechner erzeugt, und Wolken, mit der Filmkamera aufgenommen. Das Flackern rechts zeigt das Filmbild an. Kann sein, dass die Computerbilder Aufgaben übernehmen werden, die bislang der Film erledigte. Kann sein, der Film wird dann für anderes frei. Die Computerbilder streben den Filmbildern nach. Sie wollen sie übertreffen, sie hinter sich lassen. Die Computerbildmacher wollen keine griechischen Vögel anlocken, ihre eigenen Kreaturen sollen ihren eigenen Himmel bevölkern.»