Widerspenstige Wahrheiten

Welche Verhältnisse unterhalten Medien zu Fakten? Wie informieren sie den Begriff der Faktizität und flexibilisieren ihn über seine ontologische Dimension hinaus? Inwiefern ziehen medienwissenschaftliche Perspektiven Demarkationslinien nicht ohnehin schon immer zwischen gut gemachten und schlecht gemachten Fakten und verabschieden Dichotomien von wahr und falsch? Wie sind mediale Prozesse in epistemologischer oder in politischer Hinsicht daran beteiligt, im Anschluss an gesicherte wie ungesicherte Faktenlagen ‹Fakten zu schaffen›? Inwieweit explorieren mediale Verfahren je schon postfaktisches Terrain? Müsste nicht gerade deshalb – Stichwort ‹Fake Science› – medienwissenschaftliches Arbeiten noch stärker auch seine eigenen akademischen ‹Sofortismen› reflektieren? Und was wären weitere geeignete Ökologien der Praxis, medientechnische Formen und mediale Formate, um die Grauzonen zwischen Fake und Fakt stärker herauszustellen?

Derartige Fragen für eine mit dem ZfM-Schwerpunkt Faktizitäten angesprochene Debatte um aktuelle Wechselverhältnisse von Politik, Wissenschaft und Medien eignen sich noch kaum für ‹abschließende Betrachtungen›. Sie fordern indes zu weiteren tentativen Beobachtungen und zur Auslotung von Interventionsmöglichkeiten heraus.

Texte in dieser Debatte: 
Onlinetext

Do, 04. Oktober 2018 — Sa, 06. Oktober 2018

Heute fordern veränderte politische Vorzeichen postkoloniale und poststrukturalistische Theorien heraus. Vieles, was lange zur linksemanzipatorischen Kritik gehörte, wird heute auch von nationalistisch-autoritären Bewegungen vereinnahmt: So kritisieren nicht länger nur politische Linke, sondern auch Rechtspopulist*innen Neoliberalismus, Kapitalismus und Globalisierung und nutzen Leitkonzepte der French Theory, darunter Dekonstruktion und Simulation, um ihre Macht zu festigen.

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