Zur Lage in der Türkei

Zur Lage in der Türkei

22.4.2017: Halis Yildirim über den March for Science und die türkischen AkademikerInnen

zusammengestellt von Thomas Waitz & Ulrike Bergermann

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kanka productions, 4.10.2016 – TeilnehmerInnen des Dok-Filmfestivals Leipzig,
Quelle: instagram.com/kankaproductions

Der versuchte Militärputsch in der Türkei am 15. Juli 2016 war ein erster Höhepunkt in einer besorgniserregenden Entwicklung, in deren Folge rechtsstaatliche Strukturen, Demokratie, Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit de facto abgeschafft worden sind. Die Türkei ist nicht nur kulturell und politisch aufs Engste mit dem Rest Europas verbunden, gerade im akademischen Feld gibt es zahlreiche Forschungskooperationen, aber auch – etwa über Erasmus-Partnerschaften – eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit engagierten Kolleg_innen an türkischen Hochschulen und Universitäten. Diese Kolleg_innen, zumeist säkular und liberal orientiert, sind durch die politischen Entwicklungen nicht nur in ihrer akademischen Freiheit, sondern in ihrer beruflichen, sozialen und oftmals buchstäblichen Existenz bedroht und angesichts erheblicher Repressionen kaum in der Lage, von ihrer Situation Zeugnis abzulegen oder politischem Widerstand zu organisieren. All dies geschieht unter den Augen einer europäischen Öffentlichkeit, die sich bisher weigert, klar Position zu beziehen. In mehreren Web-Extras versuchen AutorInnen, mit medienwissenschaftlich geschultem Blick die Lage in der Türkei ausschnitthaft, subjektiv und situiert zu analysieren.

Aktuell: 22.4.2017, Halis Yildrim: Der March for Science und die türkischen AkademikerInnen

17.4.2017, Halis Yildrim: Offener Brief zum Ausgang des Referendums in der Türkei

12.4.2017, Halis Yildirim: Erdoğans Verwüstung der türkischen Universitäten

28.3.2017 und fortlaufend: Aufruf der GEW Bayern zur Wiedereinstellung der entlassenen WissenschaftlerInnen, mit Downloadlink der Unterschriftenliste.

Am 27.3.2017, kurz vor dem «Erdogan-Referendum», halten Studierende und einzelne DozentInnen der Bogazici Universität in Istanbul ihre Seminare aus Protest gegen die Entlassung von Kolleginnen in Zelte vor der Universität, ihr Motto: «Die Wache der Geschichte», zur Verteidigung der Meinungsfreiheit und der Lehre. >Information und Stellungnahme der GEW

Am 17.2.2017 wurde der WELT-Korrespondent Deniz Yücel, der über Erdogans Schwiegersohn berichtet hatte, in Istanbul unter «Terrorverdacht» festgenommen.

Am 7.2.2017 wurden nochmals 330 Professor_innen usw. ‹entlassen› (Hurriyet) (das sind insgesamt: «4,464 people from state institutions, including 330 academics and 2,585 teachers», sendika.org). ISAT, International Solidarity for Academics in Turkey, sammelt die Informationen > hier.

 

ZfM-Beiträge:

Anton Beauvent: Recent Convergence of Media Crackdown and Political Persecutions in Turkey: A Close Look on November 4–5, 2016 (8.11.2016)

Die Resolution der Mitgliederversammlung der Gesellschaft für Medienwissenschaft (Oktober 2016) > PDF
Englische Version: Resolution in support of Turkish scholars and press representatives (PDF)
Türkische Version: Karar: Akademik Medya ve İletişim Topluluğu (Gesellschaft für Medienwissenschaft), Almanya, Avusturya ve İsviçre’de yaklaşık 1400 üyesi ile akademik alanda medya ve iletişimi temsil ederek, Türkiye’de üniversitelerin ve basının içinde bulunduğu durumdan derin endişe duymaktadır …
Siehe auch: Stellungnahme in der Zeitschrift des Deutschen Hochschulverbands, Forschung und Lehre, von Kader Konuk: Gleichschaltung türkischer Universitäten (10.10.2016)

Christine Hanke: Verkehrung der Plätze. Medien, Versammlung und Wissenschaft nach dem Putschversuch in der Türkei (11.8.2016)

Jussi Parikka: Soundscapes eines Putschversuchs von Istanbul bis Ankara (11.8.2016)

 

Weitere Links:

- Berichterstattung, Rechercheschwerpunkt, Debattenforum der taz in der taz.gazette (zweisprachig), seit dem 19.1.2017
- özgürüz.org, investigativer Journalismus von türkischen Journalist_innen, zweisprachig (türkisch/deutsch), in Zusammenarbeit mit Correctiv, seit Januar 2017 online, mit einem Bericht zur Sitution der Presse; eine genaue Auflistung der betroffenen Zeitungen und Journalist_innen zeigt der BİA MEDIA MONITORING REPORT
- Neue Verhaftungswelle am 26.12.2016, Reuters-Meldung / Spiegel
- Projekt "taz eksil"
- Luisa Seeling, Es ist gefährlich, in der Türkei zu forschen, in: Süddeutsche Zeitung, 27.11.2016
- Am 18.11.2016 gab es eine weitere Verhaftungswelle von über 100 Wissenschaftler_innen: Bericht auf Spiegel.de, 18.11.2016
- kritnet: Aufruf kritischer Wissenschaftler_innen an die Bundesregierung mit konkreten Vorschlägen, 15.11.2016 («Kritnet ist ein Zusammenschluss von über 600 Wissenschaftler_innen, Aktivist_innen, Künstler_innen und Vertreter_innen von NGOs, gegründet 2008 in München»)

 

Burak Arikan, «Islam, Republic, Neoliberalism» (Detail), 2012

letztes Update am 
22. April 2017

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